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Zum Verhältnis zwischen systemischer Beratung, systemischer Therapie und Psychotherapie

Der Unterschied zwischen systemischer Beratung und Therapie ergibt sich weniger aus inhaltlichen oder methodischen Aspekten, als aus der notwendigen Intensität und Prozessqualität der gemeinsamen Veränderungsarbeit. Sie entscheiden, ob einige Impulse im Rahmen einer oder weniger Beratungen genügen, um bspw. schwierige Entscheidungen in kritischen Situationen zu treffen, oder ob die gewünschte Veränderung eine längere und intensivere therapeutische Begleitung benötigt. Eine lösungsfokussierte Beratung ist so offen angelegt, dass jede Sitzung die erste und die letzte sein könnte. Eine systemische Therapie stellt einen strukturierteren und intensiveren Prozess inklusive psychosozialer und/oder System- bzw. Familiendiagnostik dar.

Systemische Beratung und Therapie betrachtet Probleme und Symptome nicht als Eigenschaften Einzelner, sondern als Ausdruck aktueller Lebens-, Kommunikations- und Beziehungsbedingungen. Aus dieser Perspektive stellen Probleme Lösungsversuche dar, welche innerhalb der Logik des Systems sinnvoll erscheinen oder es vielleicht auch einmal waren, aber aktuell nicht (mehr) zielführend sind.

Systemische Therapie und Beratung helfen durch einen Perspektivwechsel dabei, eingeschliffene und dysfunktionale Problem- und Kommunikationsmuster im System zu erkennen, zu irritieren und zu verändern, die eigene bio-psycho-soziale Befindlichkeit zu reflektieren und funktionierende Lösungsstrategien zu entwickeln. Neben einem vielfältigen Methodenrepertoire ist dabei das wesentlichste Mittel die wertfreie, empathische und querdenkende therapeutische Beziehungsgestaltung, in welcher sich Kundinnen und Kunden gut aufgehoben und verstanden fühlen können.

Unter Psychotherapie wird die Behandlung seelischer Krankheiten mit dem Ziel einer Heilung verstanden. Die Wirksamkeit systemischer Therapie als psychotherapeutisches Verfahren wurde Jahr im 2008 vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie und dem gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) anerkannt, die sozialrechtliche Anerkennung als psychotherapeutisches Richtlinienverfahren in Deutschland erfolgte im Jahr 2019.

Demnach ist systemische Psychotherapie „ein psychotherapeutisches Verfahren, welches psychische Symptome in einem interpersonellen Kontext betrachtet. Die systemische Therapie sieht wechselseitige intrapsychische (kognitiv-emotive) und biologisch-somatische Prozesse sowie interpersonelle Zusammenhänge von Individuen und Gruppen als wesentliche Aspekte von Systemen an. Die Elemente der jeweiligen Systeme und ihre wechselseitigen Beziehungen sind die Grundlage für die Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen. Zwischen Verhalten und Erleben des sogenannten Indexpatienten und seinem sozialen Umfeld bestehen reziproke Wechselbeziehungen. Das Symptom des Indexpatienten wird als unangemessene Problemlösung psychosozialer Probleme gesehen.“ (G-BA, 2018). Die Psychotherapierichtlinie stellt hierzu klar, dass Psychotherapie nicht darauf abzielt diese psychosozialen Problemlagen zu beheben, sondern darauf, das Krankheitsgeschehen als Ursache dieser zu behandeln (vgl. G-BA, 2009).

Unser konstruktivistisch-systemischer Therapieansatz distanziert sich von der Idee der Heilung einer psychischen Störung mit Krankheitswert und fokussiert stattdessen auf die Lösung der symptomverursachenden Problemlagen selbst. Wir setzen gezielt an einer Veränderung beeinträchtigender Lebensumstände, Erlebnisse, Beziehungskonstellationen und beeinträchtigter Erlebens- und Verhaltensmuster an. Die Ziele der intensiven Auseinandersetzung mit persönlichen Themen bestehen in der Erweiterung der Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten, der Reorganisation von Selbstheilungskräften, der Klärung von Ursachen und Mustern der Aufrechterhaltung von Konflikten und Problemlagen sowie der Entdeckung und Entfaltung von Potentialen und Ressourcen zur Überwindung dieser. Die Kundinnen und Kunden werden dabei als Expertinnen und Experten in eigener Sache für sich selbst und ihre Lebensgestaltung gesehen. Wie in den Ethikrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF) gefordert, gilt für Beratung und Therapie das Prinzip: so kurz wie möglich, so lang wie nötig.

Unser Ansatz systemischer Therapie bei psychischen Störungen stellt dementsprechend keine Psychotherapie mit dem Ziel der Heilung einer Erkrankung, sondern das Angebot eines systemtherapeutischen Gesundheitscoachings zur Verbesserung der Alltagbewältigung und Lebensqualität durch die Verringerung von Beeinträchtigungen, Belastungen und Konflikten dar. Bei schwerwiegenden psychischen Störungen kann hierdurch eine fachärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ergänzt, nicht aber ersetzt werden.

Quellen

DGSF (o. J.): Familientherapie – Systemische Therapie. (04.08.19)
https://www.dgsf.org/service/was-heisst-systemisch/familientherapie-systemische_therapie.html

DGSF (2016): Ethikrichtlinien der DGSF. (2016)
https://www.dgsf.org/ueber-uns/ethik-richtlinien.htm

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)(2009): Psychotherapierichtlinie. (01.08.19)
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1733/PT-RL_2018-10-18_iK-2018-12-21.pdf

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)(2018): Tragende Gründe zum Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Anerkennung des Nutzens und die Notwendigkeit der systemischen Therapie als Psychotherapieverfahren. (01.08.19)
https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5439/2018-11-22_PT-RL_Nutzen-Systemische-Therapie_TrG.pdf


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